Besichtigung der Weihnachtskrippe in der Pfarrkirche Legau (06.01.2022)

In der Pfarrkirche von Legau wird jährlich vom 3. Adventsonntag bis Lichtmeß die wunderschöne
Krippe ausgestellt.
Dem Informationsblatt habe ich Folgendes entnommen:
Wenn es auch keine schriftlichen Aufzeichnungen über die Herkunft der Legauer Barockkrippe gibt,
so dürfte es doch gesichert sein, daß die Figuren in der Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden
sind und dem Prämonstratenserkloster Rot an der Rot gehörten.
Dafür sprechen die beiden weiß gekleideten Chorherren in der Krippe und ein Wappen an den
Taschen der Mohrengarde. Es ist ein Wappen des Klosters Rot an der Rot und zeigt den Verena-
Fisch mit dem Greif des Wildenberger Stiftergeschlechtes.

Im Jahre 1804 wurden die Chorherren infolge der Säkularisation aus dem Kloster vertrieben
und der ganze Besitz dem Grafen von Wartburg zugeeignet. Er veräußerte so ziemlich alles aus
dem Kloster, was beweglich war, vermutlich auch die Krippe.
Der Anfang des 19. Jahrhunderts war auch eine Zeit in der die barocken Kirchenkrippen von der
weltlichen und geistlichen Obrigkeit überhaupt nicht mehr geschätzt wurden. Während sie in der
Zeit des Barocks noch der Glaubensverkündigung dienten, verboten nun aufklärerische Behörden
sogar das Aufstellen von Krippen in den Kirchen.
In den Wirren dieser Zeit gingen dann auch viele dieser Kunstwerke verloren. Um so mehr muß die
Weitsicht und das Verständnis des Pfarrers Franz Anton von Springer gerühmt werden (von 1795 bis
1820 Pfarrer in Legau). Er erwarb die Figuren und bewahrte sie so vor einem ungewissen Schicksal.

Seit dieser Zeit wird nun die Krippe in Legau zur Weihnachtszeit aufgebaut, zur Freude und Erbauung
der vielen, die nun schon seit Generationen zur Legauer Krippe kommen.

Zu den Figuren:
Die Legauer Barockkrippe zählt 117 bekleidete voll bewegliche Figuren, die sich über zwei Jahr-
hunderte hinweg nahezu unverändert erhalten haben. Bei der Bekleidung der etwa 40 cm großen Figuren
folgten die spätbarocken Künstler bestimmten Regeln. Dies ist vor allem bei den biblischen Figuren
zu beobachten, sie wurden für den damaligen Zeitgeschmack altertümlich und sehr wertvoll eingekleidet.

Mit dem prächtigen Gewand sollte die Besonderheit und die Würde der heiligen Personen zum Ausdruck ge-
bracht werden. Die übrigen Figuren tragen eine Kleidung, die geprägt ist von der strengen Ständeordnung
des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Da sind einmal die Kavaliere und Hofschranzen, mit einer Bekleidung,
wie sie an den Fürstenhöfen üblich war. Daran angelehnt ist die etwas einfachere Bürgerkleidung. Volks-
kundlich besonders interessant sind die Handwerker und Bauern, tragen sie doch Gewänder wie sie in un-
serer Gengend üblich waren. Zu der Krippe gehören auch hervorragend geschnitzte Pferde sowie Schafe,
Hunde, ein Elefant und zwei Kamele und natürlich Ochs und Esel.

In der Barockzeit dienten die Klosterkrippen dazu, dem gläubigen Volk das Heilsgeschehen der Weihnachts-
zeit näher zu bringen. Deshalb wechselten die Darstellungen gemäß dem jeweiligen Sonn- und Feiertags-
evangelium. In Legau hat sich diese ursprüngliche Darstellungsform erhalten. So sehen die Krippenbesucher
hier keine mueseale Ausstellung, sondern eine lebendige Krippe, die den Betrachter das biblische Geschehen
der Weihnachtszeit näher bringen will.






Die Heiligen Drei Könige sind heute zur Anbetung angekommen









Hinten im Gebirge sieht es wie in Tirol aus





Ausschnitte über weitere wöchentliche Darstellungen





Die Kirche von innen, eher schlicht gehalten

Schönes altes Haus gegenüber der Kirche









Das Corona-Kreuz von Moos









Infos zur Legauer Pfarrkirche:
Der Kirchenbau geht zurück bis in die gotische Zeit. Sie wurde mehrmals umgestaltet und
nach Westen erweitert.Patrone der Kirche: St. Gordian und Epimachus. Sie erlitten um das
Jahr 350 das Maryrium. Epimachus war Bischof in Ägypten, Gordian war römischer Beamter.

Kaiserin Hildegard, die Frau von Kaiser Karl dem Großen, übergab die Reliquien dem Stift
Kempten. So haben viele Kirchen, die zum Stift Kempten gehörten, diese Heiligen als Patrone.
Letzte Renovierung und Neugestaltung war 1984 bis 1986.

Zum Corona-Kreuz von Moos:
Am Anfang des Orts, von der Neumühle her kommend, findet man das Corona-Kreuz von Moos
direkt am rechten Strassenrand. Es wurde von den Bewohnern neu gerichtet und leuchtet
frisch und schön in den blauen Himmel hinein.
Es gibt doch tatsächlich eine Heilige Corona, wer hätte das gedacht.
Die heilige Corona wurde auch Stephana genannt. Sie lebte um 160 in Ägypten oder in Syrien.
Über sie gibt es keine historischen Berichte, sondern nur verschiedene Legenden.
Sie soll eine frühchristliche Märtyrerin gewesen sein. In der katholischen Kirche ist sie die
Schutzheilige des Geldes, der Metzger und der Schatzgräber (Vielleicht in Zukunft auch für
Seuchen zuständig...).
Corona soll im alter von 16 Jahren gemeinsam mit dem heiligen Soldaten Victor von Siena den
Märtyrertod erlitten haben. Der ägyptische Statthalter Sebastian hätte Corona zwingen wollen,
den römischen Göttern zu opfern.
Darauf hätte sie gesagt: Ich werde Corona genannt und du willst mich überreden, meine Krone
(corona) zu verlieren ?
Darauf hin wurde sie verhaftet und hingerichtet. Man hat sie mit Händen und Füßen an zwei
herabgebogene Palmen gebunden, sie sie beim auseinanderschnellen in Stücke gerissen haben.
Victor von Siena soll enthauptet worden sein.
Es gibt auch Legenden, dass Corona die Ehefrau von Victor gewesen sei.
Die Verehrung der heiligen Corona begann wohl in Ägypten und hatte sich im Orient ausgebreitet.
Später dann im Westen über Sizilien nach Italien.

Dreikönigsalz:
In der Pfarrkirche in Legau kann man an diesen Tagen auch Kartons mit Päckchen von normalem Speisesalz finden. Sie sind das
durch den Priester geweihte Dreikönigsalz. Es wird am Dreikönigstag zur Weihe getragen. Durch die Weihe wirkt das Salz dann
besonders.
Nach altem Volksglauben streut man das Salz bei Gewitter aus dem Fenster, damit der Blitz nicht ins Haus einschlägt. Und wenn
die Milch mal nicht zu Butter werden wollte, dann streute die Bäuerin ein paar Körnchen von dem geweihten Salz ins Butterfass.
Aber auch gegen Krankheiten jeder Art soll das geweihte Salz helfen.
Dreikönigswasser:
Am Tag vor Dreikönig wird zum Andenken an die Taufe Jesu Wasser (und Salz, siehe oben) geweiht.
Wer vom neu geweihten Dreikönigswasser trinkt, bleibt von Halsschmerzen verschont. Die Wasserweihe ist schon alt und geht auf einen Brauch aus dem 4. Jahrhundert zurück, das Wasser des Nil in Alexandria und das
Wasser des Jordan in Israel zu segnen.
Im 11. Jahrhundert wird die Wasserweihe im Westen übernommen und mit einer Salzweihe verbunden. Dieser Brauch steht in Verbindung
mit der Taufe, zu welcher geweihtes, mit Salz gleichsam gegen Verderbnis geschütztes Wasser verwendet wurde; denn in der frühen
Kirche war der Dreikönigstag neben Ostern einer der großen Tauftage, an welchen die Neubekehrten in die Kirche aufgenommen wurden.

Das geweihte Dreikönigswasser soll Abwehrfunktion gegen böse Geister haben und 7 Jahre nicht verderben.

Meine Meinung dazu: interessant, welche bunte Vielfalt an altem Volksglauben es so gibt bei uns. Es ist leider nur leicht christlich
verkleideter Aberglaube, der mit dem biblischen Jesus Christus nichts zu tun hat.