Besichtigung der Weihnachtskrippe in der Pfarrkirche Reicholzried (07.01.2022)

Die Wandelkrippe von Reicholzried wird mit zwölf verschiedenen Szenen in der Pfarrkirche präsentiert.
Die Reicholzrieder haben die Figuren über viele Monate liebevoll restauriert, Teile der Krippe
instandgesetzt oder sogar neu geschaffen.
Bei einem Treffen im letzten Jahr hatte sich jemand daran erinnert, dass doch vor rund 100 Jahren vom
damaligen Pfarrer Krimbacher Krippenfiguren gekauft wurden. Auch ein Palast sollte damals vorhanden ge-
wesen sein.
Eine Gruppe von Reicholzriedern suchte dann auf dem Dachboden der Kirche nach der verschollenen Krippe
und wurde tatsächlich fündig. Sie entdeckten Teile von Gebäuden und ungefähr 90 Figuren.
Jetzt haben sie es geschafft, die wunderschöne Krippe für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Herzlichen Dank an die fleißigen Reicholzrieder!

Dem Kirchenführer habe ich folgende allgemeine Informationen entnommen:
Katholische Pfarrkirche St. Georg und Florian
Am Nordrand des Kemptener Landes, über einem Steilufer der Iller, liegt in 722 m Meereshöhe
das Dorf Reicholzried. Die Geschichte dieses Ried-Ortes, mit dem altdeutschen Personennamen
seines Gründers Richolf bestimmt, reicht bis ins hohe Mittelalter zurück.
Die Gegend dürfte in karolingischer Zeit besiedelt worden sein; das nahe Sachsenried - um 800
entstanden - gilt als Rodung zwangsverpflanzter sächsischer Siedler.
Erstmals ist der Ort 1218 genannt. Damals waren Heinrich und Berthold von Richolfisriet in Ulm
Zeugen, als das Kloster Kempten von Kaiser Friedrich II. die Schirmvogtei erhielt. Bei dem Orts-
adel handelte es sich wohl um Kemptener Ministerialen, deren Burg möglicherweise im Dorf - an
der Stelle der Kirche - lag; das Patrozinium St. Georg könnte auf eine Burgkapelle hinweisen.

Schon 1273 gehörte Reicholzried größtenteils unmittelbar zum Besitz des Stiftes Kempten, das im
Lauf der Zeit den Ort ganz an sich brachte und bis zur Säkularisation Territorialherr blieb.

1394 wird eine Kirche und 1418 in Pfarrer erwähnt, zwei Jahre später zum erstenmal das bestehende
Patrozinium. Das Patronatsrecht, usprünglich beim Stift, ging später auf die Herrschaft Überbach
über, kam 1469 an das Frauenkloster St. Elisabeth in Memmingen und anschließend an das Haus Pappen-
heim, ehe es das Stift 1545 um 1900 Gulden zurückerwarb. Das 1469 von dem Schuster Conrad Sunthain
gestiftete Seelhaus, ein Heim für Kranke, Alte und Bedürftige sowie für Pilger, ist noch 1727 an-
geführt.
1430 erlaubte König Sigismund Abt Friedrich von Kempten ein Dorfgericht in Reicholzried; es tagte
von dem Dreißigjährigen Krieg zum letzten Mal.

Am 22. Mai 1632 plünderten 300 schwedische Reiter das Dorf und brannten es mitsamt der Kirche
nieder, in die sie stiftische Bauern gesperrt hatten. Umgebracht wurde auch Pfarrer Ulrich Wein-
hart, den die Soldaten durch die Gegend hetzten und kopfüber in die Iller stürzten. Einen Bericht
darüber leitete der Bischof von Augsburg 1635 dem Heiligen Stuhl zu.
Während der Amtszeit von Pfarrer Georg Megglin (1645/47) kamen erneut Schweden und Franzosen und
steckten die Kirche in Brand. Am 21. Mai 1687 legte ein Schadensfeuer nahezu das ganze Dorf in
Schutt und Asche, das Gotteshaus bleib diesmal verschont.
Im Spanischen Erbfolgekrieg, als Reicholzried zeitweise österreichisches Hauptquartier mit einem
General war, wurde die von den Bauern errichtete "Schwedenschanze" verstärkt.

Im 18. Jahrhundert richteten wiederholt Blitzschläge an Turm und Kirche Schaden an (1735 ist erst-
mal auch St. Florian als der Schutzheilige gegen Feuersbrunst, als Patron genannt).
Für die Neugestaltung 1789 entstand eine Bauschuld von 7000 Gulden. Solange sie die Pfarrpfründe
nicht abbezahlt hatte, setzte der Bayerische Staat als Erbe des Stiftes Kempten in Reicholzried
lediglich Vikare ein. Noch 1830 verwandte sich Bischof Ignaz Albert von Riegg bei einer Visi-
tation für die Pfarrei; ab 1837 erhielt sie wieder einen Pfarrer. Aus Reicholzried - 1769 in der
"Vorstadt" als Sohn eines Malers geboren - stammte Carl Kiechle, ab 1825 Mitglied des Augsburger
Domkapitels, 1833 Generalvikar und Bistumstheologe, 1835 Domdekan. Nach dem Tod des Bischofs von
Riegg 1836 war er während der Sedisvakanz Kapitularvikar.

Die Pfarrei Reicholzried gehörte ursprünglich zum Kapitel Memmingen, das nach der Reformation den
Namen "Landkapitel Ottobeuren" führte. 1921 erfolgte der Wechsel zum Dekanat Kempten, nachdem die
Gemeinde schon 1880 vom Bezirksamt Memmingen zum späteren Kreis Kempten gekommen war.
1593 zählte die Kirchengemeinde etwa 300, 1626 aber bereits 450 Kommunikanten. Durch den Dreißig-
jährigen Krieg (Pest) ging die Einwohnerzahl von 600 auf 122 zurück; erst Ende des 17. Jahrhunderts
konnte der Vorkriegsstand wieder erreicht werden.
Bis 1796 stieg die Zahl auf 681 Seelen an, sank aber 1809, als die Filialen Greith, Manneberg,Brand-
holz, Tiefenau und Au an die Pfarrei Grönenbach abgetreten wurden, auf 600.
Im Jahr 1841 umfasste Reicholzried 668, 1893 bereits 700 Pfarrangehörige, heute sind es rund 800.


Die uralte Dorflinde von Reicholzried

Hier tagte einst das Dorfgericht

Die reicholzrieder Pfarrkirche



Der Friedhof umringt die ganze Kirche

Das schön hergerichtete Pfarrhaus

Die besonderen Grabkreuze von Reicholzried

Die Hand am Eingang

Kirche, Innenansicht, links die Krippe



Sehr schön beleuchtet

Krippe



















Am Pfarrhof

So schöne Grabkreuze

Vom Friedhof aus hat man einen schönen Bergblick (bei gutem Wetter)